
… erklärt Edit Schlaffer, Sozialwissenschaftlerin und Gründerin von „Frauen ohne Grenzen“.
Das Mütterschulen-Projekt läuft nun auch in Österreich. Wer „unterrichtet“ dort wen?
Von Frauen ohne Grenzen ausgebildete Trainerinnen arbeiten mit Müttern, die befürchten, dass ihre Kinder den Verführungen radikalislamischer Ideologien folgen könnten. Es sind Österreicherinnen mit und ohne Migrationshintergrund, religiös und säkular. Sie verbindet die Sorge, dass ihnen ihre Kinder entgleiten.
Woher kommt die Idee?
Die Idee ist über unsere jahrelange Arbeit in von Terror betroffenen Gebieten entstanden. Dort haben Mütter zum Teil mit drastischen Mitteln versucht, ihre Kinder von der Teilnahme an Demonstrationen oder Treffen mit Predigern abzuhalten, zum Beispiel indem sie Fenster und Türen versperrten.
Wie sind die Erfahrungen bisher?
Überwältigend positiv. Von Kaschmir bis Indonesien, von Nigeria bis Sansibar haben Mütter durch die Auseinandersetzung mit gewalttätigen Ideologien Zweifel in den Köpfen ihrer heranwachsenden Jugendlichen implantiert. Das ermöglicht es ihnen, innezuhalten, nachzudenken und Alternativen anzunehmen.
Was passiert in Österreich?
In Wien bilden sich die ersten Mütterschulgruppen, die sich unter Leitung von erfahrenen Sozialexpertinnen über zweieinhalb Monate einmal wöchentlich treffen. Im Fokus der Trainings stehen Stärkung des Selbstbewusstseins, kritische Erziehungsfragen, offene Kommunikation in und außerhalb der Familie.
Und was ist mit den Vätern?
Die Ehemänner der kaschmirischen Mütter waren die ersten, die uns das gefragt haben. Viele Väter haben das Gefühl, als Beschützer der Familie versagt zu haben und ziehen sich zurück. Sobald sie aber sehen, wie ihre Frauen das Klima in der Familie verändern, sind sie zunehmend interessiert. Das ist die nächste große Herausforderung.
Nähere Infos zum Projekt: www.frauen-ohne-grenzen.org