Lateinamerika in Wien

Von Monika Schneider-Mendoza · · 2024/Nov-Dez
Kleine mexikanische Dia de los Muertes Figuren
© Tomas Castelazo, www.tomascastelazo.com / Wikimedia Commons

Leben und Tod, Kultur und Natur – das Lateinamerika-Institut im Herbst.

Statt Fernreisen steigen wir im November und Dezember lieber in den öffentlichen Nahverkehr und lassen uns zum Österreichischen Lateinamerika-Institut in den 9. Bezirk in Wien bringen. Dieser Herbst steht unter dem Themenschwerpunkt „Die Stimmen der Indigenen“. Neben Sprachkursen hat sich das Institut einiges an Ausstellungen, Vorträgen und Buchpräsentationen überlegt. Spiritualität ist dabei ein zentrales Element. Etwa in der Ausstellung: „Die Kunst zu Sterben – el Arte de Morir“, die noch bis 7. November im Frida Kahlo Saal zu sehen ist. Die „Días de los Muertos“ (auf Deutsch Tage der Toten) sind farbenprächtiger Ausdruck des mexikanischen Synkretismus, der die christlichen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen mit Elementen der mesoamerikanischen Religionen verbindet. Die Ausstellung zeigt Werke von Künstler:innen aus Lateinamerika, die den Tod als Teil des Lebens thematisieren.

Umwelt und Spiritualität. In der Vortragsreihe „Indigene Kosmovisionen und Religionen zwischen Selbstbestimmung und Zerstörung“, die am 21. November beginnt, geht es um die Verbindung von Ökologie und Spiritualität. Indigene Gemeinschaften besitzen bis heute ein großes Detailwissen über Flora und Fauna sowie ökologische Zusammenhänge. Die Menschen sind mit dem Lebensraum um sie herum untrennbar verbunden. Ein Konzept, das sich mit dieser Denk- und Lebensweise auseinandersetzt, nennt sich amerindischer Perspektivismus. Entwickelt hat es der brasilianische Anthropologe Eduardo Viveiros de Castro. Es basiert auf seinen Studien über indigene Gruppen im Amazonasgebiet. Diese Weltanschauung bietet eine alternative Sichtweise auf die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Geistern. Die Hauptidee ist, dass verschiedene Wesen die Welt aus ihrer eigenen Perspektive wahrnehmen. Im Gegensatz zu westlichen Denkmodellen, nimmt der Mensch keine überlegene Stellung gegenüber Tieren und anderen Wesen ein. Dies wird auch sichtbar in der indigenen Kunst, die die Welt der Menschen mit der Umwelt und der spirituellen Welt zu verbinden sucht, wie die Vortragsreihe (im Weltmuseum) und gleichnamige Ausstellung „(Un)Known Artists of the Amazon“ noch bis 14. Jänner zeigt. Neue Sichtweisen sind oft nur eine Straßenbahnfahrt entfernt.

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