Begrenztes Bad

Von Hamdi Hassan · · 2024/Jul-Aug
Val Vesa/ Unsplash

Was Frauen tragen oder nicht, wird vielerorts und oft zum Thema gemacht. Eine freie Wahl ohne Konsequenzen habe ich weder in Somalia noch in Wien.

Neulich saß ich am Ufer und schaute meinen Kindern beim Baden in der Alten Donau zu. Gerade hatte ich auf Instagram wieder einmal von einer Frau gelesen, deren Post gelöscht worden war, weil sie auf einem Bild einen Nippel nicht bedeckt hatte. Gleich danach zeigte mir Instagram Fotos von einem Läufer, der ohne Shirt seine Kilometer rannte.

Ich musste an mein Geburtsland denken. Somalias Küste erstreckt sich über rund 3.000 Kilometer. Es gibt wunderschöne Strände, aber ins Meer gehen nur Männer und Buben in kurzen Hosen, für Frauen und Mädchen ist das ein Tabu. Die sitzen im Hijab im Sand und nur, wenn ein Kind ins Wasser rennt, laufen sie hinterher, um es zu stoppen. Werden der Hijab und das Gewand darunter nass, wiegt der ganze Stoff gleich einige Kilo.

Ich bin im Inneren des Landes aufgewachsen und nach starken Regenfällen planschte ich als Kind gerne in den temporären Lacken ohne Hijab, in den Unterkleidern. Aber nur solange keine Männer oder Buben – ausgenommen meine Brüder – in der Nähe waren. Gewand zum Baden hatte ich dort keines und mich über Wasser zu halten, brachte mir auch niemand bei.

Erst in Österreich habe ich mir in einem türkischen Geschäft einen Burkini gekauft. Eine Freundin brachte mir das Schwimmen bei und seither gehe ich ab und zu mit den Kindern an die Alte Donau oder andere Badeorte in Wien. Sie haben es hier in der Schule gelernt. Meine Tochter hat auch einen Burkini. Wir können nur darin schwimmen gehen, obwohl wir ihn nicht gerne tragen. Denn: Wenn du hier als somalische Frau oder als somalisches Mädchen einen Bikini oder Badeanzug anziehst, wirst du von der Community geächtet, beschimpft, verbal attackiert.

Und ich frage mich: Was muss passieren, dass es eines Tages egal ist, was wir Frauen anziehen oder nicht, unabhängig von unserem Glauben und der Gesellschaft, in der wir uns bewegen – in der Donau oder im weiten Web?

Hamdi Hassan ist freie Journalistin sowie Dolmetscherin/Übersetzerin bei verschiedenen Organisationen. Sie kommt aus Somalia und lebt seit 2015 in Österreich.

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